Dekanat Bergstraße

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Wir sollen Feindbildvernichter sein

In diesen Tagen vor genau 85 Jahren, - also bereits im schicksalhaften Jahr 1933, sprach Dietrich Bonhoeffer öffentlich aus, dass es für gläubige Menschen notfalls geboten ist, einem Wagen, der auf einem falschen und gefährlichen Kurs fährt, in die Speichen zu greifen und ihn anzuhalten. Es genüge nicht, - so der mutige Widerstandskämpfer, nur diejenigen zu verbinden, die als Opfer überfahren worden sind.

Liebe Leserinnen und Leser, es ist lohnenswert, sich in die Gedankenwelt dieses hoch anständigen Mannes und seiner beeindruckenden Lebensgeschichte zu vertiefen. Er spricht mit großer Redlichkeit und Wahrhaftigkeit vom Leben mit – und vom Vertrauen in Christus: Jede christliche Generation für sich muss die ihr zukommende Verantwortung hinsichtlich des staatlichen Handelns erkennen und ergreifen.

Und in der Tat erkennen heute zunehmend mehr Bürgerinnen und Bürger angesichts der nunmehr seit 17 Jahren stattfindenden immer neuen Konflikte im Nahen Osten und Nordafrika und der aktuell immer lauter werdenden Kriegstrommeln gegen Iran: Es genügt nicht, die geflüchteten Menschen in Europa aufzunehmen. Europa muss dem Wagen jetzt entschieden in die Speichen greifen und laut und deutlich aussprechen, was der Hauptgrund für immer neue Kriegsschauplätze und Flüchtlingsströme ist:  Ein militärisch-industrieller Komplex, der mit einem jährlichen 700 Milliarden - Dollar - Etat aus Washington gefüttert wird und darum mit neuen und alten Feindbildern und inszenierten Konflikten seine Berechtigung nachweisen muss. Und die Medien nehmen dies nahezu kritiklos hin und verbreiten es weiter. Als wären wir wieder in den Kalten Krieg zurückgefallen, wird das Schreckgespenst von der Bedrohung aus dem Osten an die Wand gemalt und die Welt wird aufgeteilt in den „guten Westen“ und „böse Schurkenstaaten“. Dabei wünscht sich die ganz große Mehrheit der Menschen in Deutschland und Europa keine weitere Zuspitzung, sondern eine gute Nachbarschaft sowohl mit Russland als auch mit den islamischen Staaten.  

Im Angesicht der gegenwärtigen Geopolitik können wir von Bonhoeffers hohem Maß an sozialer Sensibilität lernen. Er lehrt uns, die Welt mit den Augen der Opfer zu sehen und nicht mit den Augen der Geschäftemacher und cleveren Profiteure im Hintergrund. In seinem Sinne sollen wir Christinnen und Christen entschiedene Feindbildvernichter sein. Denn: wer nicht missbilligt, billigt.

 Ihr Reinald Engelbrecht, Pfarrer in Beedenkirchen und Reichenbach

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