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Ostern ist zum Aus-der-Haut-Fahren

„Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren!“ Wer sich so äußert, ist gerade nicht in einem ruhigen Gemütszustand und friedlich gestimmt. Irgendetwas hat Aufregung verursacht und wütend gemacht: In der Familie oder in der Firma läuft es nicht rund, schon wieder Stau auf der Autobahn, das unmögliche Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer, die Unfreundlichkeit an einer Ladenkasse oder das langsame Internet. Auch die Politik ist immer wieder Anlass dafür, sich ordentlich aufzuregen. Ärger macht sich dann so sehr breit, dass manche aus der Hülle der Wohlanständigkeit ausbrechen und zu Wutbürgerinnen und Wutbürgern werden. Wer nicht mehr zurückfindet in seine Haut, lässt sich unter Umständen zu unbedachtem Handeln hinreißen. Die unkontrollierte Wut der Mächtigen dieser Welt hat schon ganze Völker in Krieg und Leiden geführt. Was aber hat das alles mit dem Osterfest zu tun, das wir gerade gefeiert haben? Es beinhaltet Traditionen von Befreiung und Neubeginn, greift dabei Naturereignisse wie Frühling und Fruchtbarkeit auf. Aber ist Ostern ein Fest, das Menschen sich so ereifern lässt, wie es die Redewendung in der Überschrift nahe legt? Zum „Aus-der-Haut-Fahren“ muss Martin Luther es wohl gefunden haben, denn er beschrieb die Bedeutung der Osterereignisse in seiner sehr bildhaften Sprache einmal so: „Wer die Auferstehung Christi recht besitzen will, der muss aus seiner alten Haut in Christus kriechen und ein neuer Mensch werden. Geschieht das nicht, so ist er durch die Auferstehung Christi um nichts besser geworden.“ Luther recht verstanden, müssten sich Christenmenschen nach Ostern also gehäutet und somit das Alte hinter sich gelassen haben. Nicht aber um Wutbürger zu werden, sondern um mit Christus, nein, in Christus aufzuerstehen, befreit zu werden, neu anzufangen. Das ist ein ganz anderes „Aus-der-Haut-Fahren“. Es ist eine Art Frühlings-Häutung, die mutige Menschen zum Vorschein bringt – so wie die Natur sehr verschwenderisch farbenfrohe Blüten und frisches Grün hervorbringt. Aus der alten Haut gefahrene und in Christus gekrochene Menschen – das ist eine bildhafte Beschreibung für alle Getauften. Der Glaube an die Erneuerung des Lebens durch Christus, auch des eigenen Lebens, macht mutige Menschen, die bereit sind, nicht im alten Ärger zu verweilen, sondern freundlich, aber klar auf andere zuzugehen und beherzt in ihrem Umfeld das Nötige anzupacken.

Frank Sticksel,
Pfarrer in der Heilig-Geist-Kirchengemeinde Heppenheim

 

 

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