Dekanat Bergstraße

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Warten

Estragon und Wladimir warten. Und warten. Und warten.

Sie warten auf Godot. Der aber kommt gar nicht. Wenn das Ziel ausbleibt, auf das Menschen warten, wird das Warten vergeblich, verzweifelnd, sinnlos. Fragen drängen sich auf: Wird Godot je kommen? Gibt es ihn überhaupt? Worauf warte ich hier eigentlich noch?

An diesem ersten Adventswochenende beginnt auch für uns eine besondere Warte-Zeit. Das Wort bedeutet „Ankunft“. Besonders für Kinder ist Warten bekanntlich eine schwierige Übung: Der Adventskalender mit seinen Türchen verkürzt und verschönert ihnen die Warte-Zeit. Die Adventszeit ist im Kirchenjahr eigentlich als Zeit der Orientierung gedacht, sogar der Buße. Sie lädt uns trotz Lichterglanz und Budenzauber zur Klärung ein, zur Neu-Orientierung: „Mache dich auf und werde licht“ – so ermuntert uns der Prophet Jesaja. Für was lohnt es sich, uns aufzumachen? Den Kopf zu heben, den Horizonten in unserem Leben entgegenzublicken? Welche Träume und Sehnsüchte (noch) in uns schlummern, es wird in solch wundersamen Zeiten besonders deutlich. Oder es tritt schmerzhaft zutage: Nöte und Sorgen kommen ans Licht, Leerstellen unseres Lebens oder die Menschen, die wir vermissen.

Warte-Zeit im Dezember. Warten Sie, liebe Leserschaft? Er-warten Sie gar etwas? Was erwarten Sie von dem, auf dessen Kommen wir in diesen Wochen warten? Oder haben Sie das Warten auf Gottes Kommen in ausgerechnet Ihr eigenes Leben längst aufgegeben? Dürfen wir von Gott etwas erwarten?

Viele Fragen. Die Gestalten im Stück Becketts gehen trotz christlicher Erlösungserwartung leer aus. Und es stimmt: Manchmal vermissen wir Gott schmerzlich im Leben. Blaise Pascal hat einmal eine berühmte Wette formuliert: „Was verliere ich eigentlich, wenn ich auf Gott setze und es ihn nicht gibt? Nichts. Und was gewinne ich, wenn es ihn tatsächlich gibt? Alles.“ Ja, es braucht Mut, etwas von unserem Gott zu erwarten. Dennoch gilt uns unverbrüchlich sein Wort: „Ich bin das Licht des Lebens. Wer mir nachfolgt wird nicht in der Finsternis wandeln.“ Vielleicht ist dieses Wort nur ein schwaches Hoffnungslicht in diesem Jahr, in unserem Herzen. Aber ob eine Kerze brennt oder nicht, das ist immer ein Unterschied. Und so höre ich gerne die Worte aus Aufmunterung an mich: „Mache dich auf und werde licht, denn dein Licht kommt!“ Und ja, so will ich mutig etwas erwarten von meinem Leben und meinem Gott, der mir entgegenkommt.

Pfarrerin Dr. Katrin Hildenbrand, Evangelische Gemeinde Einhausen

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